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13.02.2020

Inklusion wird groß geschrieben

Stadtbibliothek-Lilly_Kaeding
Die Auszubildende Lilly Kaeding (li.) freut sich über ihren neuen Regalwagen mit speziellem Antriebsmodul. An der Realisierung beteiligt waren die Leiterin der Stadtbibliothek, Barbara Holdt, Bürgermeister Dirk Flörke, Matthias Lau von der Schwerbehindertenvertretung, der Personalratsvorsitzende Robert Janke und Susanne Voß, Sachgebietsleiterin Personalwesen (v.l.n.r.). © Stadt Parchim

Parchim. Die Teilhabe am Arbeitsleben ist für Menschen mit Behinderung eine Grundvoraussetzung fürs gesellschaftliche Miteinander. Dieser Verantwortung stellt sich die Stadt Parchim schon seit Jahren – und das ziemlich erfolgreich.

Aktuell sind 28 schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftige bei der Stadtverwaltung Parchim tätig. Lilly Kaeding ist eine von ihnen. Ihr lang gehegter Wunsch war es immer, den Beruf der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FAMI) zu erlernen. Dieser erfüllte sich im vergangenen Jahr, als die Stadtvertretung dem gemeinsamen Vorhaben der Stadt Parchim mit der Schwerbehindertenvertretung und dem Personalrat zustimmte, einen zweiten Ausbildungsplatz in der Stadtbibliothek zu schaffen.

„Menschen mit Handicap gehören von Anfang an mitten in die Gesellschaft“, betont Bürgermeister Dirk Flörke, „dies beinhaltet auch, dass sie noch besser in den allgemeinen Arbeitsmarkt und -alltag integriert werden.“ Lilly Kaeding hatte bereits im Vorfeld ein Praktikum in der Stadtbibliothek absolviert. Sie ist gehbehindert und wird während ihrer Ausbildung stetig von der Schwerbehindertenvertretung begleitet. „Natürlich kosten Veränderungen immer Kraft. Man muss wissen, an wen man sich wenden kann, um Informationen und Unterstützung zu erhalten. Da es in den meisten Fällen eine Förderung nach Augenmaß ist, bleibt eine individuelle Beratung unerlässlich“, so Matthias Lau, der die Interessen der schwerbehinderten Beschäftigten bei der Stadt Parchim vertritt.

Unterstützt wird die Kreisstadt unter anderem durch das Integrationsamt, was beispielsweise Zuschüsse beim Entgelt über den Zeitraum der dreijährigen Ausbildung betrifft. Die Institution begleitete zudem den Prozess der Beantragung weiterer finanzieller Leistungen für die Anschaffung technischer Arbeitshilfen. So konnte die Stadt Parchim zusammen mit der Schwerbehindertenvertretung erreichen, dass der Auszubildenden ein eigens für sie angefertigter Regalwagen mit einem speziell konstruierten Antriebsmodul zur Verfügung gestellt wird. Dieser erleichtert ihr die Abläufe im täglichen Arbeitsleben enorm.

„Wir bemühen uns sehr um Barrierefreiheit in der Stadt“, erläutert Parchims Rathauschef, „bei jeder Tiefbaumaßnahme wird an eine Absenkung der Bürgersteige für Querungen gedacht.“ Zudem werden die meisten der neuen Gehwege mit sogenannten Blindenleitsystemen ausgestattet, immer in enger Absprache mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern. Diese Markierungen helfen blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung im öffentlichen Raum, insbesondere auch vor Ampeln und im Kreuzungsbereich.

„Menschen mit Behinderungen und jene, die nicht die gleichen Chancen wie andere haben, werden als gleichwertig agierende Menschen in der Stadtentwicklung sowie im Stadtleben betrachtet“, unterstreicht Dirk Flörke, der sich der besonderen Verantwortung der Stadt Parchim als Arbeitgeber sehr wohl bewusst ist. „Stetig werden die Teilhabemöglichkeiten in diesem Inklusionsprozess erweitert, damit sich die Lebensqualität für die Arbeitnehmer sowie der gesamten Stadtgesellschaft erhöht. Inklusion geht alle an. Sie gelingt nur, wenn sich viele an der Weiterentwicklung beteiligen und neuen Wegen offen gegenüberstehen.“

Auch das kurz vor der Einweihung stehende Giebelhaus-Quartier zeigt, wie Inklusion in Parchim funktionieren kann: eine Begegnungsstätte für alle Menschen, mit und ohne Beeinträchtigung, mitten im Stadtzentrum, mitten im Stadtleben.

„Diese Beispiele zeigen, dass die Stadt Parchim auf einem guten Weg ist“, ergänzt Matthias Lau, der sich aber auf bisher Erreichtes nicht ausruhen möchte und weiter nach vorne schaut. „Wir stehen weiteren Projekten für ein inklusives Stadtleben jederzeit offen gegenüber. Und gemeinsam können wir diese auch umsetzen.“